Geruchsmessungen

Ein neues Prüfkriterium für Bauprodukte im Innenraum steht gerade am Anfang seiner Entwicklung. Es geht um das Thema Gerüche. Durfte man sich früher den ganzen Tag lang über frische Luft von draußen freuen, so werden die Belüftungszyklen heute bei modernen Gebäuden genau vorgegeben. Die Luftwechselraten werden weniger. Was heißt, dass Materialien im Innenraum geruchstechnisch stärker wahrgenommen werden. Forscher sagen, wenn man den Geruch um einen Faktor 2 verringern möchte, die Lüftung um mehr als den Faktor 2 erhöht werden muss. Die ist natürlich ein wesentlicher Punkt bei der geplanten Einhaltung der Energiebilanz. Nun sind aber Gerüche im Vergleich zu anderen „messbaren“ Sinneseindrücken extrem subjektiv. Trotzdem gibt es inzwischen eine internationale Norm zur Geruchsmessung an Bauprodukten (ISO 16000-28). Diese Messung ist allerdings sehr aufwändig – eine Methode mit hohen Ansprüchen an Ausrüstung, Personal und Räumen. Neben den hohen Kosten ist die Reproduzierbarkeit in Frage zu stellen. Auch kann der Geruch im Labor anders wahrgenommen werden, als in der Realität. Dies hat vor allem mit der Wechselwirkung mit anderen Materialien zu tun. Momentan trifft die Prüfung bereits Bodenbeschichtungen, Lacke und Farben. Obwohl Geruchsmessungen in den nächsten Jahren üblicher werden, bleibt zu hoffen, dass sich die „künstliche Nase“ in der Keramik nicht durchsetzen wird. Der Geruch wird immer eine individuelle Wahrnehmung bleiben. Und ein Kunde, der unzufrieden mit dem Geruch ist, wird sich von keinem Prüfergebnis überzeugen lassen!

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